Pur und (UN-) Zerbrechlich

FEINE SONGAUSWAHL, ERLESEN INTERPRETIERT

PUR UND (UN-) ZERBRECHLICH: NINA OMILIAN

Am 14. Oktober 2014 um 07:26 Uhr, von  unter News

Die Verspätung des Albums „Pure“ (Timezone) von Nina Omilian hat einen üblen Grund. Die immens vielseitige (Opern-) Sängerin und (Theater-) Schauspielerin musste sich zunächst von einer lebensbedrohlichen Erkrankung „aus heiterem Himmel“ erholen. Um nun noch entschiedener loszulegen: „Das Morgen gibt es für mich nicht mehr. Ich muss meine Lieder jetzt singen.“ Und wir hören ihr nur allzu gerne zu.

cover_hiBei „Pure“ handelt es sich um eine Anthologie, um eine persönliche Auswahl von Lieblingsliedern, die von der erklärten Brandenburgerin Nina Omilian mit kristalliner Klarheit interpretiert werden. Joni Mitchell („I Had A King“, „Cactus Tree“, „Song To A Seagull“), Kate Bush („The Man With The Child In His Eyes”), Mary Black und Janis Ian stehen Pate, aber “I Think It’s Going To Rain Today” von Randy Newman sticht hervor.

Was nicht die Patenschaft sondern das tatsächliche Hervorbingen betrifft, so gilt es Ian Vance Melrose als Produzenten gebührend hervorzuheben. Gemeinsam mit ihm, der mit seinem ausdrucksstark ziselierten Gitarrenspiel entscheidend zum Gelingen von „Pure“ beigetragen hat, schrieb Nina Omilian „The Cloud“ – die einzige Eigenkomposition des Albums und zugleich ein Versprechen auf weitere Großtaten aus eigener Feder.

Dass sich Nina Omilian zunächst einmal ihre Lieblingslieder von der Seele singen will, das ist nicht nur legitim sondern auch sehr erfreulich. Man muss kein Freund von Joni Mitchell sein, um anzuerkennen, dass Nina Omilians Stimme über alle Zweifel erhaben ist: „vokale Reinheit, klare Phrasierungen, zarte Schattierungen“ – der Pressetext wird (ausnahmsweise mal) beanstandungslos abgenickt und übernommen.

Und doch, es sind die feinfühligen Arrangements (Ian Vance Melrose) die den schmalen Grad zwischen ehrlicher Verehrung und vermeintlicher Anmaßung planieren und zugleich breit säumen. So hinterlässt „Pure“ vor allem den Wunsch, bald eine Fortsetzung hören zu dürfen. Nina Omilian & Ian Vance Melrose – diese Namen wird man sich spätestens dann merken müssen. „The Cloud“ darf kein Versprechen bleiben. Und wenn doch, so bleibt „Pure“ ein wunderschönes Album der konzentrierten Hingabe und des Wissens ums eigene Vermögen.